Was ist eine Kohortenstudie?


Inhalt

1. Eine Kohortenstudie macht aus Einzelfällen einen Regelfall
2. Die Kohortenstudie im Kompetenznetz
3. Teilprojekte im Kompetenznetz
4. Die DAH im Kompetenznetz
5. Patientenbeirat

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1. Eine Kohortenstudie macht aus Einzelfällen einen Regelfall

Wann der Zeitpunkt gekommen ist, mit einer Therapie der HIV-Infektion zu beginnen, war unter Medizinern lange strittig: Wer zu früh anfängt, erschöpft vielleicht zu schnell das Arsenal antiretroviraler Substanzen. Außerdem setzt er seinen Körper vielleicht zu früh den Nebenwirkungen der Medikamente aus. Wer zu spät anfängt, dessen Immunsystem hat das Virus vielleicht schon zu stark geschädigt.

Die Ärzte wussten nicht einmal: Sollte die Menge von Viren im Blut den Start der Therapie bestimmen? Oder sollte darüber der Zustand des Immunsystems, genauer gesagt die Zahl der CD4-Zellen, der weißen Blutkörperchen, die das Virus angreift, entscheiden?

Eine Kohortenstudie hat geholfen, diese Fragen zu beantworten.

In einer Kohortenstudie zeichnen Mediziner viele verschiedene Daten über eine große Gruppe von Menschen auf und vergleichen, wie sich verschiedene Eigenschaften des Körpers, aber auch verschiedene Lebensweisen oder eine unterschiedliche medizinische Versorgung auf ihre Gesundheit auswirken (siehe internal link new window"Welche Erkenntnisse kann eine Kohorte liefern?"). So gewinnen sie z. B. Hinweise darauf, wer wie am besten seine Gesundheit fördert.

Auf die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Therapiebeginn lieferte eine Kohortenstudie mit mehr als 12.000 HIV-Positiven die Antwort, dass dieser gewöhnlich an der Zahl der CD4-Zellen festzustellen ist. Demnach ist er gekommen, sobald die Zahl der CD4-Helferzellen auf rund 350 pro Mikroliter Blut gesunken ist. Dann kann sich das Immunsystem am besten erholen. Diese Erkenntnis wirkte sich ganz konkret aus: Zum einen gilt heute allgemein die Zahl der CD4-Zellen als Kriterium für den Therapiebeginn. Zum anderen starten die meisten Ärzte eine Therapie heute schon, wenn das Immunsystem noch relativ intakt ist. Zuvor hielt man es einige Zeit lang für günstiger, den Therapiebeginn möglichst hinaus zu zögern.

2. Die Kohortenstudie im Kompetenznetz

Solche Erkenntnisse für die HIV-Therapie soll auch eine Kohortenstudie liefern, die jetzt in Deutschland unter dem Dach des Kompetenznetzes HIV/AIDS startet.

Sie wird, so hoffen die beteiligten Wissenschaftler, dazu beitragen, die Therapie der HIV-Infektion zu verbessern, indem sie hilft, offene wissenschaftliche Fragen zu beantworten. Oder diese Fragen überhaupt erst zu stellen.

So könnte eine Kohortenstudie Hinweise liefern, dass ein bestimmtes Medikament eine Nebenwirkung hervorruft, eine langfristige oder seltene eventuell, die bis dahin nicht bekannt war.

Den Beweis dafür kann sie nicht liefern, dazu braucht es weitere Untersuchungen (siehe internal link new window"Welche Erkenntnisse kann eine Kohorte liefern?").

In ähnlicher Weise könnte die Kohorte des Kompetenznetzes Hinweise auf eine Kombination von Medikamenten liefern, mit der die Therapie der HIV-Infektion sinnvollerweise beginnen sollte. Oder sie könnte ganz generell eine Reihenfolge aufzeigen, in der Ärzte Kombinationen von Medikamenten am erfolgreichsten einsetzen.

Zu diesem Zweck sammeln die Forscher, die am Kompetenznetz teilnehmen, Daten über den Verlauf der Infektion und ihre Therapie (siehe �ffnet einen internen Link im aktuellen Fenster"Die gesammelten Daten").

Geplant ist, den Verlauf der Infektion von rund 10.000 Menschen mit HIV und AIDS zu erfassen. Welche konkreten Fragen mit Hilfe der Kohortendaten beantwortet werden sollen, steht noch nicht fest. Über die DAH und den Patientenbeirat des Kompetenznetzes kann aber auch die Community Fragen, die für Menschen mit HIV und AIDS besonders dringend sind, an die Kohorte stellen.

3. Teilprojekte im Kompetenznetz

Neben der Daten- und Probensammlung dieser Kohortenstudie, fördert das Kompetenznetz jedoch auch Forschungsprojekte einzelner beteiligter Forscher/Forschungseinrichtungen.

So versuchen Forscher aus Hannover und München etwa die Ursachen der Lipodystrophie zu klären. Und sie suchen nach einem möglichen Gegenmittel. Forscher aus Erlangen widmen sich resistenten Viren, d.h. Viren, die sich durch bestimmte Medikamente nicht mehr unterdrücken lassen. Die Erlanger Virologen untersuchen, ob diese genauso schädlich sind wie nicht resistente Viren.

Die Institute profitieren dabei von der Zusammenarbeit im Kompetenznetz. Sei es, indem sie untereinander Proben austauschen, oder indem sie sich direkt mit einer anderen Forschungseinrichtung zusammen tun, die am Kompetenznetz teilnimmt und mit der sie einer bestimmten Frage nachgehen.

Die meisten der Teilprojekte beschäftigen sich mit Grundlagenforschung zu HIV und AIDS. Das heißt: Diese Forschung hat gewöhnlich keine so unmittelbare Auswirkung auf die Therapie wie etwa eine Zulassungsstudie für ein neues Medikament. Doch auch die Ergebnisse der Grundlagenforschung wirken sich auf die Therapie aus. Denn erst, wenn man versteht, wie sich die Lipodystrophie entwickelt, kann man eine wirksame Therapie gegen sie entwickeln.

Damit im Kompetenznetz auch Forschungsfragen bearbeitet werden können, die sich aktuell ergeben, entscheidet das Kompetenznetz jährlich über neue Projektanträge.

4. Die DAH im Kompetenznetz

Auch die DAH führt im Rahmen des Kompetenznetzes ein Projekt durch - das soll jedoch keine wissenschaftlichen Erkenntnisse liefern, sondern den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Menschen mit HIV und AIDS ermöglichen. Die DAH begleitet den Aufbau des Kompetenznetzes, vor allem der zentralen Kohorte, und versucht dabei, stellvertretend für Menschen mit HIV und AIDS Patientenrechte und -interessen durchzusetzen. Hier beschäftigt uns vor allem der Datenschutz - ein heikles Thema bei einer Datenbank, die zukünftig die medizinischen Daten von rund 10.000 Menschen mit HIV und AIDS beherbergen soll. Doch keine Angst: Das Kompetenznetz hat einige Anstrengungen unternommen, damit sich kein Unbefugter Zugriff auf die Daten verschaffen kann (siehe auch internal link new window"Wann werden die Daten erhoben, was geschieht mit ihnen und wie sicher sind sie?"). Die DAH ist zudem an der Entscheidung über künftige Forschungsprojekte beteiligt, ihr wesentliches Kriterium dabei: Der Nutzen eines Projektes für Menschen mit HIV und AIDS.

Ebenso wichtig wie die Beteiligung von Selbsthilfe an Entscheidungen der Forscher ist aber auch die Transparenz der Forschung für Menschen mit HIV und AIDS. So gehört es zu den Aufgaben der DAH, die Community über die Arbeit und die Ziele des Kompetenznetzes zu informieren. Zum Beispiel über Fragen der Datensicherheit in der zentralen Kohorte, über Forschungsziele des Kompetenznetzes oder über Nutzen und Risiken für jeden, der am Kompetenznetz teilnimmt. Und wenn die Kohorte im Kompetenznetz aufgebaut ist, wird die DAH auch über die Forschungsfragen informieren, die mit der Kohorte untersucht werden, und über die Antworten, die diese geliefert hat. Berichten wird sie natürlich auch über Ziele und Ergebnisse der Teilprojekte, die das Kompetenznetz fördert.

Ein Informationsweg läuft dabei über regionale AIDS-Hilfen, von denen sich einige an dem Projekt beteiligen (siehe internal link new window"Die beteiligten AIDS-Hilfen"). Hier finden Interessierte genauso wie in der Bundesgeschäftsstelle Ansprechpartner zum Kompetenznetz. Sie beantworten konkrete Fragen, etwa ob sich die Therapie verändert, wenn man am Kompetenznetz teilnimmt. Oder ob es im Kompetenznetz Untersuchungen zu einem bestimmten Thema gibt. Wenn nicht, kann das eine Anregung sein, genau diese Frage einmal zu untersuchen. Denn Dialog zwischen Forschern und Community soll auch heißen, dass die Forschung Anregungen von Menschen mit HIV und AIDS aufgreift. Diesen Anliegen ein Gehör zu verschaffen ist auch eine der Aufgaben von AIDS-Hilfe.

5. Der Patientenbeirat

Doch soll dies nicht die Aufgabe von AIDS-Hilfe alleine bleiben. In Zusammenarbeit mit engagierten Positiven hat sie im Kompetenznetz einen Patientenbeirat etabliert, in dem sich interessierte Menschen mit HIV und AIDS direkt mit der Arbeit des Kompetenznetzes befassen und in sie einmischen können. Für diesen Beirat suchen die DAH und das Kompetenz in den ersten Monaten 2004 Menschen mit HIV und AIDS, die sich für Forschungsfragen interessieren. Also nur zu wer sich einmal unmittelbar mit Forschung zu HIV und AIDS auseinander setzen möchte. Eine wesentliche Aufgabe des Beirates wird es sein, darauf hinzuweisen, was die Bedürfnisse von Menschen mit HIV und AIDS in puncto Forschung sind. Der Beirat soll neben der DAH aber auch Garant dafür sein, dass die Forscher verantwortungsvoll mit den Daten und Proben umgehen, die sie im Kompetenznetz sammeln.

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