Vom Konzept zur kritischen Auseinandersetzung

 

Ein Werkzeugkasten für die Erstellung guter Konferenz-Abstracts, -Präsentationen und -Poster

Ursprünglich wurde dieser Werkzeugkasten für Menschen entwickelt, die im HIV/AIDS-Bereich arbeiten (und andere Personen) und die beabsichtigten, die XVI. Internationale AIDS-Konferenz in Toronto im August 2006 zu besuchen.

Dieser Werkzeugkasten wurde entwickelt, um Sie zu unterstützen:

  1. eine Präsentation zu entwickeln, die über eine reine Beschreibung Ihrer Tätigkeiten/Arbeit hinausgeht;
  2. ein Abstract zu schreiben, das klar, prägnant und interessant genug ist, um a) von der Konferenz angenommen zu werden und b) Leute dazu verlockt, sich Ihre Präsentation anzusehen; UND
  3. sich für das Halten einer Präsentation (Vortrag oder Poster) vorzubereiten, die sowohl informativ ist, als auch zur Diskussion anregt.

Von John Miller für die Coalition on Children Affected by AIDS

Kontakt: johnmillerconsulting [AT] rogers [PUNKT] com

Übersetzt und bearbeitet von Bernd Vielhaber
für das Community-Board des III. DÖAK, Frankfurt, 2007

 

  • Teil 1: Vorbereitung
    • Was für eine Idee habe ich und ist sie gut genug?
    • Wie Vorträge / Poster ausgewählt werden:
    • Gutes Lernen
    • Was bedeutet „interessant“?
    • Konzeptionelle Checkliste
  • Teil 2: Das Abstract schreiben
    • Wer ist die Zielgruppe?
    • Zweck des Abstracts
    • Schritt 1: Den Track / Untertrack / die Kategorie finden
    • Schritt 2: Empirische Studie oder Projekt?
    • Schritt 3: Zuerst eine Liste
    • Schritt 4: Aus der Liste zusammenhängende Sätze formulieren
    • Schritt 5: Einen aussagekräftigen Titel wählen
    • Schritt 6: Die Checkliste
  • Teil 3: Die Präsentation erstellen
    • Ein Poster erstellen
  • Teil 4: Präsentieren
    • Vorbereitung
    • Zeit
    • Danach
  • Referenzen
  • Zusätzliche Ressourcen


Teil 1: Vorbereitung

 

Was für eine Idee habe ich und ist sie gut genug?

Denken Sie zuerst über Ihre Präsentation nach – noch bevor Sie das Abstract schreiben

Mit der Präsentation zu beginnen scheint auf der Hand zu liegen, wenn Sie Sozialarbeiter oder zuständig für die Durchführung von Programmen / Kampagnen o.ä. sind. Sind Sie allerdings Wissenschaftler, werden Sie sicherlich bereits Forschungsberichte oder dergleichen haben. Da das Abstract, das Sie einreiche wollen, aber für eine Präsentation auf einer Konferenz (Vortrag oder Poster) ist und nicht für eine Fachpublikation, sollte das Abstract das auch widerspiegeln. Das Abstract-Review-Komitee und das Komitee, das das Programm zusammenstellt, wollen sicherlich etwas über Ihre Arbeit/Forschung erfahren, sie wollen möglicherweise aber auch etwas über Ihre Präsentation erfahren – wie wird sie über das Abstract und Ihrer Ergebnisse hinaus gehen?

Wie Vorträge / Poster ausgewählt werden:

Abstract-Review-Komitees geben typischerweise Empfehlungen aufgrund folgender Kriterien ab: ja oder nein, passt besser als Vortrag oder als Poster etc. Um diese Entscheidungen treffen zu können, werden die Abstracts bewertet.

Die Bewertung basiert häufig auf Fragen wie:

  • Wie wertvoll wird dieses Thema / dieser Beitrag für die Konferenz sein?
  • Passt es in die Ausrichtung der Konferenz hinein?
  • Erfüllt die Arbeit die geforderten Standards?
  • Wie klar ist es geschrieben?
  • Handelt es sich um eine neue Idee oder einen neuen Forschungsansatz?

Also … was ist Ihrer Vorstellung über Ihre Präsentation und ist die gut genug?

Klingt das folgende Szenario vertraut?

  • „Ich bin stolz auf meine Arbeit/Forschung.“
  • „Es sind noch zwei Tage bis zur Deadline. Ich kann eine oder zwei Stunden erübrigen, um ein Abstract zu schreiben und abzuschicken. Möglicherweise wird es ja angenommen. Wenn ich einen Sponsor finde, der mir die Kosten für die Konferenzteilnahme bezahlt, werde ich eine Präsentation vorbereiten (hoffentlich nicht erst im Flugzeug oder der Bahn) und werde anderen über unsere Arbeit berichten.“
  • „Ich arbeite unter schwierigen Bedingungen und für die Arbeit steht nicht genug Geld zu Verfügung. Diese Konferenz kann eine gute Gelegenheit sein, meine Batterien wieder aufzuladen.“
  • „Wenn ich da bin, kann ich mitbekommen, was sonst noch so passiert, neue Ideen bekommen und Kontakte knüpfen, die mir bei meiner Arbeit helfen könnten.“

Multiplizieren Sie dieses Szenario mit der Zahl der Konferenzteilnehmer und so haben Sie ein Rezept für eine langweilige und frustrierende Konferenz

Warum? Weil jeder Inspiration vom anderen erwartet.

Über diese Art von Sitzungen haben sich viele Delegierte vorheriger Konferenzen beschwert. In der Tat sind die Beschwerden so laut, dass die Konferenzveranstalter und das Organisationskomitee der Konferenz mehr wollen, als das.

Gutes Lernen

Denken Sie über Situationen auf Konferenzen nach, in denen Sie am besten lernen konnten

Das waren sicherlich weniger Situationen, in denen Sie detaillierte Fakten oder Zahlen oder traurige Geschichten gehört haben, ohne Ideen für Lösungen oder von einem Durchbruch erfahren zu haben. Das alles hätten Sie auch durch das lesen eines Aufsatzes erfahren können.

Wir lernen am besten, wenn wir inspiriert sind oder uns herausgefordert fühlen, eine Lösung zu finden.

Im Falle eines Forschungsprojektes lernen wir am besten, wenn eine Präsentation von einer Diskussion gefolgt wird, in der Zeit und Raum für die Diskussion breiterer Implikationen der Ergebnisse und der nächsten Schritte besteht.

Sind wir Vortragende, lernen wir am besten, wenn wir mit einer kritischen Selbstreflexion unserer eigenen Arbeit beginnen und dann Unterstützung und Rat erhalten, wie die Arbeit verbessert werden kann. Das geschieht, wenn es einen kritischen, kreativen und wertschätzenden Dialog gibt.

Ob Sie Forscher, Wissenschaftler, Richtlinien- oder Programmverantwortlicher, Sozialarbeiter oder Aktivist sind, dieser Werkzeugkasten soll Ihnen bei der Entwicklung einer interessanteren Präsentation Ihrer Arbeit Hilfestellung geben.

Was bedeutet „interessant“?

Sie sind Richtlinien- oder Programmverantwortlicher, Sozialarbeiter oder Aktivist und sind stolz auf Ihre Arbeit. Schön, aber …

Stellen Sie ihre Arbeit mit allen Mitteln dar – verwenden Sie genug Details, damit Ihr Abstract akzeptiert wird. Was Ihr Abstract aber hervorstechen lässt ist, wenn Sie dem Abstract-Review-Komitee (und später den Konferenzteilnehmern) darstellen können, wie und warum Ihre Arbeit auf andere Situationen übertragbar sein könnte.

Wissenschaftler wissen, dass häufig von den Experimenten am meisten lernen können, die die Ausgangshypothese falsifiziert haben. Programmverantwortliche sind weniger begierig, über „Fehler“ zu sprechen. Das Abstract-Review-Komitee wird aber von Programmen oder Ansätzen wissen wollen, die erfolglos versucht worden sind und was man daraus lernen kann.

Obwohl Sie im Abstract nicht in die Details einsteigen wollen werden und können, sollten Sie darüber nachdenken, wie Sie die Herausforderungen und möglichen Verbesserungen / Lösungen darstellen können. Wird Ihr Abstract angenommen und sie präsentieren Ihre Arbeit auf der Konferenz, können Sie die Konferenzteilnehmer nach Input, Feedback oder um Rat fragen.

Sind Sie Wissenschaftler oder Forscher und haben erstklassige Forschungsergebnisse zu berichten? Phantastisch, aber …

Obwohl Sie sich beim Schreiben Ihres Abstracts an bestimmte Konventionen halten müssen, können Sie über die Ergebnisse und Auswertungen hinaus gehen. Sie müssen adäquate Details liefern. Machen Sie aber auch deutlich, dass Sie die breiteren Implikationen– sowohl die positiven als auch die negativen – Ihrer Arbeit diskutieren wollen. Deuten Sie an, welche Debatte sie möglicherweise auslösen.

Konzeptionelle Checkliste

Wenn Sie Ihre Präsentation konzipieren, verwenden Sie die folgende Checkliste:

  • Sage ich irgendetwas Neues? Wenn nicht, warum reiche ich dann ein Abstract ein? (Anmerkung: Das Darstellen von „alten“ Ergebnissen kann durchaus sinnvoll sein, beispielsweise wenn es unwissenschaftliche / moralistische / politische Gegenreaktionen auf wissenschaftliche Evidenzen gibt, die Leben retten.)
  • Bringt meine Arbeit eine herausfordernde oder provokative Frage mit sich, die während der Präsentation deutlich wird – eine Frage, die eine gute Diskussion startet?
  • Fallen mit ein oder zwei Dinge ein, die nicht nur für meine eigenen Kollegen relevant sind, sondern auch für einen interdisziplinären Teilnehmerkreis oder Menschen anderer Regionen, Ländern, Kontinente?
  • Habe ich über meine smartesten, kompetentesten und am besten informierten Kollegen nachgedacht? Weiß ich, was ich sagen kann, was auch diesen Kreis interessieren könnte? Fällt mir dazu nicht ein? Rufen Sie eine dieser Personen an und fragen Sie nach, welche Diskussion auf Ihrer Arbeit bezogen, interessant sein könnte.

Richtlinien- und Programmverantwortliche, Sozialarbeiter und Aktivisten sollen sich darüber hinaus fragen:

  • Kann ich kurz darstellen, was das Wichtigste an meiner Arbeit ist – ebenso wie die größte Schwäche bzw. die größte Herausforderung? Kann ich die Schwächen und Herausforderungen so darstellen, dass es bei mir kein Gefühl von Scham über meine Arbeit hinterlässt oder mich verwundbar gegenüber Geldgebern macht, die meine Präsentation möglicherweise sehen?

Wissenschaftler und Forscher sollten sich auch fragen:

  • Kann ich klar über die breiteren Implikationen meiner Arbeit sprechen und finde ich einen Weg, sie in meinem Abstract zusammenzufassen?

 

Teil 2: Das Abstract schreiben

 

Wenn Sie Ihre Idee haben und darüber nachgedacht haben, wie sie Ihre Präsentation mitreißend gestalten können, müssen Sie das Abstract schreiben.

Wer ist die Zielgruppe?

Die primäre Zielgruppe des Konferenz-Abstracts ist das Abstract-Review-Komitee.

Die Konferenzteilnehmer, an die sich schlussendlich Ihre Präsentation richtet, ist Ihre sekundäre Zielgruppe.

Das Abstract sollte beiden Zielgruppen erreichen.

Zweck des Abstracts

Bei Konferenzen eingereichte Abstracts erfüllen typischerweise die folgenden Ziele:

  • Sie unterstützen das Abstract-Review-Komitee bei der Auswahl der Themen und Arbeiten, die auf der Konferenz präsentiert werden sollen.
  • Sie unterstützen die Leser (Reviewer und Konferenzteilnehmer) beim Verständnis Ihrer Arbeit, indem sie als Skizze der Hauptpunkte Ihrer arbeit dienen.
  • Sie helfen den Konferenzteilnehmern, sich eine Vorstellung davon zu machen, was von Ihrer Präsentation erwartet werden kann und helfen somit bei der Auswahl, welche Sitzungen besucht werden.

Wir schlagen die folgenden sechs Schritte für das Schreiben eines Abstracts vor:

  1. Finden Sie den Track bzw. Untertrack (die Abstract-Kategorie), in den Ihre Arbeit am besten hineinpasst;
  2. Entscheiden Sie, ob Ihrer Arbeit eine empirische Studie (auf Forschungsergebnissen basierend) ist oder ein Projekt, Programm oder dergleichen;
  3. Listen Sie die Hauptpunkte auf;
  4. Formulieren Sie aus der Liste zusammenhängende Sätze;
  5. Denken Sie sich einen aussagekräftigen Titel aus und
  6. Überprüfen Sie das Abstract anhand der Checkliste im Schritt 6.


Schritt 1: Den Track / Untertrack / die Kategorie finden

Jedes Konferenzorganisationskomitee teilt das thematische Feld der Konferenz in Tracks und Untertracks / Kategorien auf (siehe Seite 4 f), sodass einerseits das bestmögliche Programm zusammengestellt werden kann, andererseits aber auch die jeweiligen Experten für ein Forschungsfeld bei der Peer-Review bestmögliche Arbeit leisten können.

Ihre Arbeit oder Forschung passt möglicherweise nicht richtig in die vom Konferenzorganisationskomitee vorgegebenen Kategorien hinein.

Ist das der Fall, können Sie:

  1. sich mit anderen einreichenden Kollegen des gleichen Feldes absprechen, in welcher Kategorie sie alle ihre Arbeiten einreichen werden – was dem Konferenzorganisationskomitee hilft, Arbeiten eines ähnlichen oder gleichen Feldes zu gruppieren; oder
  2. eine Kategorie wählen, in der Sie Ihrer Arbeit gerne präsentiert wissen.

 

Schritt 2: Empirische Studie oder Projekt?

Im Grunde genommen gibt es zwei Arten von Abstracts:

  1. empirische Studie, basierend auf wissenschaftlicher Forschung
  2. Projekt, Programm, Interventionen, etc.

Die meisten wissen genau, in welche dieser beiden Kategorien sie hineingehören, aber es kann sein, dass eine Wahlmöglichkeit besteht.

Beispiel: Sie haben Ihr Projekt/Programm unter dem Aspekt der Klientenzufriedenheit evaluiert, der für Sie wichtigste Aspekt Ihres Projekts/Programms ist jedoch Ethik oder Empowerment oder Partizipation. In diesem Fall mag das Präsentieren der Klientenzufriedenheitsdaten (was zu einem „empirischen“ Abstract führen würde), vielleicht nicht die beste Idee. Sie würden sich hier möglicherweise entscheiden, ein „Projekt/Programm“-Abstract einzureichen.

A) Alle Abstracts

Beschreiben Sie nicht nur, was getan wurde, teilen Sie uns mit, welche Erfahrungen / Schlussfolgerungen dargestellt werden ( etwa: “Child headed households are not necessarily worse off…,” “Community care is possible if....,” “HIV does not have to divide...,” “How old is old enough to care for a sibling....,” usw.)

Mache Sie dann deutlich, dass Sie beabsichtigen, die Implikationen dieser Erfahrungen / Schlussfolgerungen zu diskutieren.

B) „Empirische“ Abstracts

Wenn Sie Studien-Daten präsentieren wollen, sind folgenden Aspekte wichtig:

  • Rezension der bisherigen Datenlage
  • Wer sind die Studienteilnehmer und was ist ihr Kontext? Wie viele Projekte, Zentren, Kinder, Erwachsene, Gruppen, Gebiete, Trainer, Haushalte etc. à „Diese Studie wurde in fünf Städten (mit einer Population von XXX – XXX Einwohnern) durchgeführt. Aus 48 Familien wurden 320 Studienteilnehmer rekrutiert. …“
  • Was waren die Ein- und Ausschlusskriterien?
  • Wie war die Einschlussrate (wie viele in der Studie im Vergleich zur Grundgesamtheit)?
  • Wie wurden die Grundgesamtheit und die Samplegröße definiert?
  • Gab es eine Evaluation? Welche Methoden, statistische Verfahren und Ergebnisse?
  • Wurden qualitative Methoden eingesetzt? Welche? (Bloße Beobachtung ist keine qualitative Methodologie!)

C) „Projekt/Programm“-Abstract

Wenn Ihr Abstract ein Projekt, Programm, eine Intervention oder dergleichen beschreibt, sind folgende Aspekte von Bedeutung:

  • Geben Sie genügend Detailinformationen, dass eine interdisziplinäre Zuhörerschaft Ihr Projekt / Programm /… und den Kontext verstehen kann.
  • Stellen Sie sicher, dass eine Person, die mit Ihrem konkreten Feld nichts zu tun hat und Ihr Abstract liest, Ihnen den Inhalt korrekt wiedergeben kann.

 

Schritt 3: Zuerst eine Liste

 

Die Hauptpunkte zuerst in Listenform (oder mit Spiegelstrichen) aufzuschreiben, kann bei der Auswahl, was man sagen will, hilfreich sein. (Formulieren Sie die Liste / Spiegelstriche nicht als ganze Absätze, wie sie gelegentlich in diesem Dokument vorkommen. Ein – am besten klarer und kurzer – Satz pro Spiegelstrich oder Listenpunkt.)

Tipps zum Schreiben:

  • Wie kann ich meine Arbeit / Forschung beschreiben, aber auch klar die Ziele der Präsentation benennen?
  • Seien Sie kurz, fassen Sie zusammen und schreiben Sie nur sie wesentlichen Punkte auf. Ein Konferenz-Asbtract sollte nicht mehr als zehn Sätze umfassen. (Das Limit ist beim DÖAK 2007 auf 2.300 Zeichen festgelegt worden.) Sind alle Informationen, die Sie geben wirklich von Bedeutung, oder können Sie noch weiter kürzen? (Autoren von „empirischen“ Abstracts: Lassen Sie keine zentral bedeutsamen Daten weg!)
  • Denken Sie über die Zielgruppe nach: Wer ist die Zielgruppe?
  • Stellen Sie sicher, dass Sie das Wer, Was, Wann, Wo und Wie berücksichtigen.
  • Vergegenwärtigen Sie sich, dass Datenbankprogramme die Worte Ihres Abstracts scannen und für eine Person vor dem Computerbildschirm darstellen. Gestalten Sie Ihr Abstract also sowohl für Computer als auch für ungeduldige Menschen verständlich.


Schritt 4: Aus der Liste zusammenhängende Sätze formulieren

 

Stellen Sie sicher, dass Ihr Abstract leicht lesbar ist und es keine Sinnsprünge oder nicht zusammenhängenden Sätze gibt.

Seien Sie mit Formatierungen sehr zurückhaltend. (Bei der Einreichung von Abstracts für den DÖAK 2007 wird darauf hingewiesen, dass Formatierungen nicht erlaubt sind. Einzig die Überschrift wird – automatisch – formatiert.)

Denken Sie daran: es ist ein Abstract – wählen Sie einen klaren und direkten Schreibstil.

 

Schritt 5: Einen aussagekräftigen Titel wählen

 

Suchen Sie einen beschreibenden, aussagekräftigen und einfachen Titel (nicht zu kurz).

Der Titel hilft den Reviewern bei der Kategorisierung Ihrer Präsentation und den Konferenzteilnehmern unter Umständen dabei, die richtige Sitzung zu finden.

Machen Sie sich beim Titel keine Gedanken über ausgewogene, (politisch) sprachlich-ästhetisch korrekte Formulierungen. Sie müssen das Thema Ihrer Arbeit beschreiben. „Youth Recreation Centre“ ist beispielsweise ein Titel, der nicht viel aussagt. „Lives of Youth Improved by Network of Recreation Centres in India“ ist aussagekräftiger.

Seien Sie nicht zu gewitzt – das macht es unter Umständen schwer verständlich. Beispielsweise ist „C3 – Children – Challenges – Changes“ ganz witzig, sagt uns aber nicht, welche Kinder, welche Herausforderungen oder welche Veränderungen.

 

Schritt 6: Die Checkliste

 

Überprüfen Sie Ihr Abstract anhand der folgenden Checkliste:

  • Ohne die Sprache über Gebühr zu simplifizieren: Können Personen, die in anderen Forschungsfeldern arbeiten, das Abstract verstehen?
  • Wissenschaftler: Vermittelt das Abstract das Gefühl, dass ein Zuhörer von Ihrer Präsentation mehr hat, als vom Lesen der Publikation?
  • Ist es klar und prägnant?
  • Sind Akronyme erklärt?
  • Ist zu viel einführendes Material / Material, das den Kontext darstellt vorhanden?
  • Hat es jemand gegengelesen um sicherzustellen, dass es keine grammatikalischen Fehler, Rechtschreibfehler oder Schachtelsätze enthält?
  • Sind die Zeichenzahlgrenzen und anderen Richtlinien der Konferenz voll berücksichtigt?

 

Teil 3: Die Präsentation erstellen

 

Ihre Arbeit wurde angenommen und Sie haben einen Sponsor gefunden (die Hoffnung stirbt zuletzt). Was nun?

  • Verwenden Sie Ihre Energie für das Konzept und Ideen. Verwenden Sie die meiste Zeit damit, detaillierte Informationen vorzubereiten, wird Ihrer Präsentation wahrscheinlich ziemlich langweilig werden.
  • Stellen Sie sich vor, Ihr smartester, kompetentester und am besten informierter Kollege wird im Raum sein – möglicherweise Ihr Chef oder der Geldgeber. Sie wissen bereits, was Sie machen und sie haben Ihre Berichte und Publikationen gelesen. Sie kommen also nicht darum herum, Informationen zu präsentieren, die sie bereits kennen, wollen sie aber auch nicht langweilen. Sie wissen darüber hinaus, dass Ihre Arbeit / Projekt / Forschung kritisch begutachtet und bewertet werden kann – vermeiden Sie also, in der Hoffnung, sie beeindrucken zu können, diesen Aspekt nicht. Welche Ideen, Fragestellungen, Konzepte, Themenbereiche oder Debatten können Sie aufwerfen, die Ihre Präsentation für diesen Kreis interessant oder gar fesselnd machen?

    Man kann seine eigene Kompetenz und seinen Stolz auf die eigene Arbeit durchaus im Rahmen einer kritischen Auseinandersetzung zeigen, ohne seine Finanzierung zu gefährden.
  • Verwenden Sie eine verständliche Sprache. Denken Sie an die Menschen, für die Englisch oder Deutsch eine Fremdsprache ist, oder die in einem anderen Forschungsfeld arbeiten und möglicherweise Ihre Fachsprache nicht und/oder nicht alle Ihre Akronyme kennen. Bereiten Sie Ihre Präsentation für ein internationales und interdisziplinäres Publikum vor. Vermeiden Sie Arroganz und Gönnerhaftigkeit!
  • Denken Sie daran, woran sich Menschen am besten erinnern: Geschichten, Ideen, ein oder zwei überraschende Fakten.

    Denken Sie daran, woran sich Menschen weniger gut erinnern
    : detaillierte Informationen, Zahlen, Daten. Wissenschaftler können die Präsentation von Daten nicht vermeiden – die Daten sind wichtig. Der Trick ist, zu wissen, wie viele davon man präsentiert.
  • Bringen Sie Handouts mit, die detaillierte Informationen enthalten, die Sie nicht in die Präsentation reingenommen haben
  • Protzige / überladene Präsentationen können die Menschen von Ihrer/n Botschaft/en ablenken. Verwenden Sie visuelle Hilfsmittel sorgfältig.

Die gängigsten Fallen:
1) Animationen

Während sich das Publikum darüber wundert, wie Sie es angestellt haben, dass diese Worte in Ihrer PowerPoint-Präsentation aus allen vier Ecken des Dias einfliegen, hören Sie Ihnen nicht zu. Oder sie denken: „Sie hat rumgejammert, dass sie so überarbeitet ist. Wie überarbeitet kann sie denn sein, wenn sie Zeit genug gehabt hat, diese theatralischen Gimmicks vorzubereiten?“

2) Bleiwüsten / zu viele Dias

Der Punkt eines PowerPoint-Dias (oder einer Overhead-Folie) ist es, Stichworte über das zu geben, worüber Sie reden. Es hilft Zuhörern, sich in Ihrer Präsentation zu orientieren. Als Faustregel gilt: nicht mehr als sieben oder acht Textzeilen pro Dia und ein bis zwei Dias pro Minute der Präsentation.

3) Verwenden von Diagrammen und Tabellen

Sie sollten sie nur sehr sparsame einsetzen – wenn überhaupt. Das Publikum ist kaum in der Lage mehr Informationen aufzunehmen als eine kurvige, aufwärts oder abwärts zeigende Linie. Eine Tabelle enthält zu viele Informationen und die Buchstaben sind in der Regel zu klein, als dass sie gelesen werden könnten.

Am Ende des Dokumentes finden Sie Links zu Internet-Ressourcen mit zusätzlichen Hilfestellungen zum Einsatz von Microsoft PowerPoint oder anderer Präsentations-Software.

  • Achten Sie auf die Zeit! Es ist nichts frustrierender, als an einer Sitzung teilzunehmen, in der die Vortragenden dermaßen lange reden, dass am Schluss keine Zeit mehr für eine Diskussion bleibt. Vortragenden, die die Zeit überziehen, sind respektlos, egoistisch, unvorbereitet oder alles zusammen.

    Sinnvolle Möglichkeiten zum Lernen gehen verloren. Also … timen Sie sich selbst! Planen Sie bereits Möglichkeiten ein, die Präsentation zu kürzen, wenn unvorhergesehene Vorkommnisse Zeit fressen.
  • Gehen Sie offensiv mit Ihrer Nervosität um. Proben Sie Ihre Präsentation vor Kollegen (vor dem Spiegel üben ist nicht sehr hilfreich, mit Ausnahme des Timings oder um sich selbst aufzunehmen um zu hören, wie man klingt). Holen Sie sich Rückmeldungen. Stellen Sie sich das Publikum nicht nackt vor – Sie werden entweder amüsiert sein, abgelenkt oder gestört. Beginnen Sie nicht mit einem Witz oder einer Geschichte, außer es steht in einem klaren Beziehung zu Ihrer Präsentation, ist nur sehr kurz und ruft garantiert den gewünschten Effekt hervor.

Ein Poster erstellen

Im Bezug auf den Inhalt, gelten bei der Erstellung eines Posters dieselben Prinzipien, wie auch bei der Erstellung eines Vortrages (siehe der vorherige Abschnitt).

Darüber hinaus gilt:

  • Überladen Sie das Poster nicht mit Informationen.
  • Für weitere Details, bringen Sie genügend Handouts mit, die die Konferenzteilnehmer mitnehmen können (platzieren Sie die Handouts beim Poster und kontrollieren Sie zweimal täglich). Sie können auch (ersatzweise) eine Internetadresse oder eine E-Mail-Adresse angeben, unter der Interessierte weitere Informationen bekommen können.
  • Grundlegende Prinzipien des Designs und Layout sind:

1) Plazieren Sie leere Räume an den Rändern – gruppieren Sie Text und Bilder im Zentrum.

2) Verwenden Sie unterschiedliche Farben und Fonts, um bestimmte Zeile des Posters hervorzuheben. Verwenden Sie eine große Fontgröße. Wenn Sie anfangen müssen, die Fontgröße zu reduzieren, versuchen Sie vermutlich zu viele Informationen auf das Poster zu quetschten. Packen Sie Informationen in die Handouts.

3) Schriftarten mit Serifen leiten das Auge horizontal und sollten für den Textkörper verwendet werden (Eine Serife ist ein kleines Häkchen am Ende des Buchstabens). Dieser Font – Times New Roman – ist eine Serifenschrift.

Schriftarten ohne Serifen leiten das Auge vertikal nach unten und sollten für Überschriften verwendet werden, außer, die Überschriften befinden sich am Seitenrand (etwa in einer Textbox). Dieser Font – Verdana – ist eine Schrift ohne Serifen.

4) Obwohl es vielleicht „ordentlicher“ aussieht, haben Studien gezeigt, dass Text im Blocksatz schwere zu lesen ist. Setzen Sie den Text linksbündig.

Am Ende des Dokumentes finden Sie Links zu Internet-Ressourcen mit zusätzlichen Hilfestellungen zum Erstellen einer Posterpräsentation.


Teil 4: Präsentieren

 

Ihre Arbeit wurde angenommen, Sie haben die Präsentation rechtzeitig (also nicht im Flugzeug oder dem Zug) vorbereitet und dürfen vortragen. Was können Sie noch tun?

Vorbereitung

 

Eine gute Vorbereitung macht 90 % aus. Die restlichen 10 % passieren im Sitzungsraum.

Die meisten Präsentationen finden als Teil eines Podiums statt. Wir hoffen und erwarten, dass die Präsentationen thematisch gruppiert sind. Die Konferenzteilnehmer besuchen diese Sitzung wahrscheinlich, weil sie das Thema der Sitzung interessiert oder um die Präsentation von jemandem anderen zu sehen.

Es sollte Ihr Ziel sein, die Konferenzteilnehmer für Ihre Arbeit und Ihre Ideen zu gewinnen.

Es sollte Ihr Ziel sein, Ihre Arbeit in den Kontext der anderen Präsentationen zu stellen.

Hören Sie den Präsentierenden vor und nach Ihnen zu. Überlegen Sie, ob und wenn ja wie sie die Fragen, die sie aufgeworfen haben oder das, was sie gesagt haben in Ihre eigene Präsentation einfließen lassen (können / wollen). Wenn Sie zu nervös sind, um Ihre Präsentation au8s dem Stand heraus zu verändern, versuchen Sie, die Verbindungen zu Ihrer eigenen Arbeit im Rahmen des Frage- und Antwortteils einzubauen.

Zeit

Bringen Sie eine Armbanduhr oder einen anderen Zeitmesser mit und platzieren sie ihn direkt vor sich auf dem Pult oder dem Tisch.

Noch einmal: Wenn Sie die Zeit überziehen, sind Sie entweder egoistisch, respektlos oder unorganisiert. Keine dieser Reputationen wird Ihnen helfen, Ihre Botschaft rüberzubringen.

Wenn Ihre Präsentationszeit zu Ende geht, fassen Sie schnell zusammen und beenden Sie die Präsentation. Sie können Punkte, die Sie vergessen oder weggelassen haben, im Rahmen der Fragen und Antworten aufzugreifen versuchen. Wenn Sie die Zeit überziehen, werden Ihre Zuhörer abschalten oder den Raum frustriert oder verärgert verlassen.

Interaktiv gestalten

Betrachten Sie es als Ihre Aufgabe, sicherzustellen, dass die Sitzung interaktiv ist.

Sie haben eine Präsentation abzuliefern und müssen vortragen. Sie werden aber auch mit Fragen an die Konferenzteilnehmer, mit Problemen, mit denen Sie sich herumschlagen, gekommen sein. Für Sie sind diese Aspekte aktuell.

Stellen Sie sicher, dass der Sitzungsleiter dies berücksichtigt. Sollte er das nicht machen, wiederholen Sie sich, stellen Sie die Frage erneut, tragen Sie das Problem erneut vor. Sie können Ihre Kommentare sowohl an die anderen Podiumsteilnehmer oder/und an die Konferenzteilnehmer direkt richten.

Stellen Sie kontroverse Fragen strategisch geschickt. Sie wollen doch die Konferenzteilnehmer oder die Podiumsteilnehmer in eine fruchtbringende Debatte verstricken, und keinen Kampf beginnen (oder fortführen).

Danach

 

Überlegen Sie sich, ob und wie die Diskussion auch nach dem Ende der Sitzung weitergehen kann. (Es ist unwahrscheinlich, dass Sie alles in einer Sitzung von 60 Minuten lösen können.) Stecken Sie genügend Visitenkarten zu verteilen ein. Bieten Sie an, nach dem Ende der Sitzung – auf den Gängen – noch weitere Fragen zu beantworten. Weisen Sie auf Online-Foren oder kommende Konferenzen hin.

Schließlich: tief durchatmen, entspannen und losgehen, von anderen lernen!


Referenzen

Cox, Pamela L., Bobrowski, Paula E. & Maher, Larry.: “Teaching first year business students to summarize : abstract writing assignment (my favorite assignment).” Business Communication Quarterly, Dec. 2003 v66 i4 p36(19)

Cremmins, Edward T.:The Art of Abstracting”. 2nd edition. Philadelphia: Information Resources Press. 1996

Magic Lantern Video Collection: “Read, write & research, part 8 - Writing for the social sciences – The abstract.” 1991

Maughan, R.: “Returning to the writing of abstracts” (editorial). Journal of Sports Sciences, July 2004 v22 i7 p603(1).

McLeod, Judith: “Writing abstracts” (web page) 1998 The Write Place – St. Cloud State University, St. Cloud, Minnesota, – http://leo.stcloudstate.edu/bizwrite/abstracts.html. Web page downloaded August 17 2005

Morrow Hall, Deanna: “Writing abstracts: The American National Standard, Bulletin of the American Society for Information Science., Oct-Nov 1986 v13 p35 (1)

Patrick, Peter: “Writing conference abstracts”. Notes for the 2003 university course LG554 of the University of Essex. Posted online at http://courses.essex.ac.uk/LG/LG554/WritingAbstracts.html. Downloaded June 9 2005, last updated November 19 2003.

Der Autor dankt den Mitarbeitern der Firelight Foundation, der Bernard van Leer Foundation & The Teresa Group, Joan Anderson, Evan Collins, Bikash Das, Vencenza Davis, Pam Picken, Paulette Schatz, Lorraine Sherr, Lynn van der Elst, und Stellar Zulu für ihr Feedback und ihre Vorschläge.

 

Zusätzliche Ressourcen

 

PowerPoint

Im Folgenden einige Online Ressourcen für den efffektiven Einsatz von Microsoft PowerPoint oder anderer Präsentationssoftware:

The following are some online resources on the effective use of Microsoft PowerPoint or other presentation software:

Colorado State University: Tips For Preparing and Giving Good PowerPoint Presentations (auch offline als PDF Datei verfügbar). http://www.cvmbs.colostate.edu/mip/gradprogs/powerpoint.pdf

Hilfestellungen von einer Website namens “Everything2.com”: http://www.everything2.com/index.pl?node_id=1134342

Poster Präsentationen

Zum Zeitpunkt des Zusammenstellens dieses Werkzeugkastens, waren die folgenden Ressourcen auf dem Internet zu finden. (Sollte keine davon mehr online verfügbar sein, tippen Sie einfach „poster presentation“ mit den Anführungszeichen in eine Suchmaschine ein und werden sehen, was Sie finden.)

Alle diese Seiten sind in Englisch, was nicht wundert, wurde der Werkzeugkasten von einem englischsprachigen Autor für die Internationale AIDS-Konferenz erstellt. Bei einer entsprechenden Suche (Posterpräsentation oder „Poster-Präsentation“) und der Eingrenzung der Suche auf die Sprache Deutsch, sollten sich entsprechende Seiten auf Deutsch finden lassen.

Ein Online Tutorial der University of Kansas Medical Center http://www.kumc.edu/SAH/OTEd/jradel/Poster_Presentations/PstrStart.html (Dieses interaktive Tool wurde großzügigerweise auf CD Rom von Jeff Radel von der University of Kansas Medical Centre zur Verfügung gestellt. To have a copy mailed to you, please email johnmillerconsulting [AT] rogers [PUNKT] com)

Ein “poster preparation guide posted” der University of Newcastle upon Tyne school of Chemical Engineering: http://lorien.ncl.ac.uk/ming/Dept/Tips/present/posters.htm (auch offline als PDF-Detei verfügbar).

Ein “poster preparation guide” der University of Strathclyde in Glasgow http://www.strath.ac.uk/Departments/CAP/poster/

Ein Online Tutorial der George Mason University Writing Centre http://www.gmu.edu/departments/writingcenter/ppt/


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